Heute habe ich anlässlich der Gedenkstunde zum 18. März ein Grußwort vor dem Brandenburger Tor gesprochen.

Wir erinnern an diesem Tag an die mutigen Frauen und Männer, die vor 174 Jahren, am 18. März, den preußischen König zur Kapitulation zwangen und das Fundament für die Werte, auf die wir uns heute berufen, setzten. Denn wenn wir von „westlichen Werten“ sprechen, die es zu verteidigen gilt, dann geht es im Kern um die Forderungen der Märzrevolutionäre: Demokratie, Freiheit und Bürgerrechte.

Dieser revolutionäre Geist richtete sich damals gegen den willkürlichen und absolutistisch herrschenden Adel, der eine politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe der meisten Menschen in der Gesellschaft verhinderte. Die Menschen, die sich in Berlin, Mannheim, München und anderen Städten gegen das existierende Herrschaftssystem auflehnten und für eine Modernisierung der Gesellschaft kämpften, waren nicht allein. In vielen Regionen Europas kam es in dieser Zeit zu revolutionären Bewegungen: Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, aber auch in Moldau lehnten sich die Menschen auf. Auch wenn es noch fast 150 Jahre gedauert hat, so ist die Europäische Union heute doch auch Produkt dieses gemeinsamen Bestrebens und dem Wunsch der Europäerinnen und Europäer nach Demokratie, Freiheit und Bürgerrechten.

Diese universellen Werte, auf die sich der europäische Gedanke beruft, gehören leider nach wie vor für viele Menschen auf der Welt gar nicht oder nur eingeschränkt zu ihrer Lebensrealität. Gleichzeitig sind sie Ausgangspunkt des mutigen Widerstands gegen Autokratie, Willkür und Unterdrückung. Vor 174 Jahren genauso wie heute – wie wir es ganz aktuell bei den Ukrainerinnen und Ukrainern sehen die sich in Kiew, Charkiw und Mariupol mit großem Mut Putins Einmarsch und dem Ziel einer antidemokratischen Kontrolle widersetzen.

Wir leben in einem Land, in dem durch das Grundgesetz die Teilhabe der Menschen garantiert ist. Vom Ausgangspunkt der Märzrevolution bis hierhin war es aber ein langer Weg, gekennzeichnet durch viele Rückschläge. Umso wichtiger ist es deswegen, wenn wir heute an die Märzgefallenen erinnern, uns auch vor Augen zu führen, welch kostbares Gut die freiheitlich demokratische Grundordnung ist und die große Verantwortung, die wir haben, sie zu schützen und weiterzuentwickeln.

Der 18. März ist ein außergewöhnlicher Tag in unserer Geschichte, ich setzte mich deswegen dafür ein, dass er ab dem kommenden Jahr, anlässlich des 175 Jahrestages auch zum nationalen Gedenktag wird.